Future Forever

Hallo und Willkommen zurück! Erinnerst du dich noch an mich? Vermutlich nicht, aber falls doch, weißt du vielleicht noch, dass ich die meiste Zeit über meine unfassbare Zeit in China berichtet habe. Ich bin nun fast schon wieder ein ganzes Jahr zurück und hatte das Gefühl, es ist Zeit meinen Blog zurückzubringen. Bevor wir uns jedoch der Zukunft und neuen Themen zuwenden, wollte ich euch ein kurzes Update darüber geben, was so passiert ist, seitdem ich wieder da bin.

Primär waren die letzten Monate davon dominiert, an mich selbst zu glauben. Vermutlich das Gruseligste, was ich je getan habe. Definitiv die befreiendste Erfahrung, die ich jemals gemacht habe. Es ist gruselig, weil es einen dazu zwingt, vollkommene Verantwortung zu übernehmen. Es ist befreiend, weil es einem erlaubt, die anarchistischste Version des Selbst freizusetzen. Wer nun vielleicht an eine friedvolle Transformation inmitten von Self-care und Kristallen denkt, den muss ich enttäuschen, denn die Realität ist eine andere. Als ich aus China zurückkehrte, fühlte ich mich bereit, mein neugewonnenes Selbstbewusstsein auszuleben und die Welt zu erobern, doch stattdessen wurde ich mit einer familiären Tragödie konfrontiert, die mein Leben für immer verändert hat. Nun sind mir plötzliche Wendungen nicht fremd, also tat ich das einzig logische und passte mich den Umständen an. Meiner Chamäleonseele fiel das schon immer leicht. Das gilt jedoch nicht für jeden. In den letzten Jahren ist die Anzahl der Menschen, die an Depressionen oder anderen psychischen Krankheiten leiden, dramatisch in die Höhe gestiegen. Ein solcher Anstieg zeigt, dass viele Menschen erhebliche Probleme haben und sich nur schwer neuen und unvorhersehbaren Umständen anpassen können. Was tun? Ich habe nicht den Hauch einer Idee und bin umso verwirrter, wenn ich mir die anstehenden Änderungen innerhalb unseres Gesundheitssystems anschaue. Von denen, die die Möglichkeiten haben, scheint keiner so wirklich daran interessiert zu sein, die andauernde Epidemie psychischer Krankheiten zu bekämpfen. Ich schlage also vor, dass wir alle im Kreis rennen, „Klimawandel“ schreien und dem Chor der weinenden Pronomen beitreten, um jeden Sonntag um Sündenerlass zu bitten, damit wir weder in der Hölle landen, noch von Roko's Basilisk oder was auch immer nächste Woche die Gefahr ist, bedroht sind.

Ich mache Witze, oder? Ich bin mir selber nicht ganz sicher. Alles, was ich weiß, ist, dass ich schon das ein oder andere erlebt habe. Was das hilft, magst du dich vielleicht fragen. Es hilft nicht, aber ich bin mir sicher, über die dunklen, widerlichen Momente zu sprechen, die man auf der Suche nach Selbstliebe erlebt, aber auch die immense Authentizität, die dies verursachen kann, zu besprechen, ist lange hinfällig. Insbesondere wenn man die noch junge Bewegung einflussreicher öffentlicher Figuren betrachtet, sich als depressiv, ausgebrannt oder von einer Angststörung betroffen zu outen. Ein Schritt in die richtige Richtung, wie ich finde, und doch erstickt die positive Intention dahinter oft schon noch in den Kinderschuhen steckend. Sie verkünden ihre Diagnose und tragen sie in Form einer Medaille, präsentieren dabei jedoch vorgefertigte Baukästen psychischer Krankheiten, deren Inhalt und Vokabular dadurch begrenzt ist, was sozial als akzeptabel und besprechbar gesehen wird. Ich möchte eine andere Perspektive präsentieren oder eher viele verschiedene Perspektiven, um genau zu sein, denn psychisches Leid ist kein Modeaccessoire, welches dem Durchschnittsmenschen Mitgefühl und Gemeinschaft garantiert. Stattdessen terrorisiert es jeden Aspekt ihres Lebens und treibt viele Individuen an den Rand der Gesellschaft. Individuen, die wie du und ich davon träumen, ihre Ziele zu verwirklichen: Individuen, die hoffen, ein wenig Licht mag eines Tages auch auf sie scheinen. Ihre Teilnahme am gesellschaftlichen Leben liegt jedoch nicht in der Hand übernatürlicher Kräfte. Ich glaube fest daran, dass Bildung noch immer die beste Möglichkeit darstellt, soziales Stigma zu besiegen. Die Öffentlichkeit über psychisches Leid aufklären, eine unterstützende Haltung für jene in Not kultivieren und Kummer mit Liebe kontrastieren, all das sind notwendige Schritte, um die Köpfe zukünftiger Generationen zu retten.

So untypisch wie es für jemanden wie mich seien mag, glaube ich doch an eine bessere Zukunft und halte an der Idee einer protopischen Welt fest. Eine Welt, in der die Jüngsten und die Ältesten den Mut haben, an sich selbst zu glauben, auf beschränkende soziale Standards scheißen und ein bisschen schlampenhafter mit ihren Träumen umgehen. Wo wir gerade über schlampenhaft reden, aufgrund meiner doch sehr späten Entdeckung der originalen "Sex and the City"-Serie möchte ich diesen Sommer etwas mehr Samantha Jones als Winnie Puuh sein. Ich habe das Gefühl, es ist Zeit von meinem drei Dekaden langen Studium körperlich freier, selbstbewusster, mit Traditionen brechender Frauen zu profitieren.

Generell ist es Zeit, dass wir die dunklen, qualvollen Raveklänge, die unsere Köpfe dominieren, mit etwas Licht neu abzumischen. Einige Beats und den Gesang anderer zu samplen ist definitiv ein guter Startpunkt. Ich meine, geht es nicht immer darum zu starten? Es scheint niemals der richtige Moment zu kommen, um zu starten, aber Kaffee schenkt ihn uns am Morgen. Montage sind gut, um mit der Gewichtsabnahme zu beginnen und acht Uhr ist eine gute Zeit, die To-do-Liste anzugehen. Aber im Endeffekt stecken wir immer am Startpunkt zu etwas hin fest. Wir schenken den Dingen, die dazwischen passieren, den Nuancen und Ideen, die fast transzendent unsere Köpfe streifen, wenig Aufmerksamkeit, während unser Tunnelblick sich weiter auf das Ende fokussiert. Ein essenzieller Fehler, der viele von uns die gesunde Routine oder den Erfolg kostet, den wir uns so sehr wünschen. Am Ende stecken wissenschaftliche Erkenntnisse im abgedroschenen und vermutlich unangenehm oft zitierten Spruch, dass das Leben ein Marathon und kein Sprint ist. Du kannst nach den Sternen greifen, aber niemand wird sie für dich festhalten, wenn du selbst es nicht tust. Und lass mich dir versichern, die Sternen scheinen hell, reif und saftig. Also schmeißen wir uns in unsere neonfarbenen Astroanzüge und tricksen die Schwerkraft aus. Für immer die Zukunft. Collin.